Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Gerhard Schröder
 
Am 8. Mai 2005 gedenken wir des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren. Die Folgen dieses grauenvollen und menschenverachtenden Krieges berühren uns auch nach so langer Zeit noch sehr eindringlich.
Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa bieten zahlreiche Museen und Gedenkstätten, Kulturinstitutionen und Wissenschaftseinrichtungen sowie Landesvertretungen und Botschaften eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Berliner Jahresthema 2005 "Zwischen Krieg und Frieden".
Das Themenjahr eröffnet die Chance, ausgehend von einem Rückblick auf das Ende des Zweiten Weltkrieges, sich authentisch mit der deutschen Nachkriegsgeschichte zu befassen. Im Gespräch mit Zeitzeugen und durch originale Dokumente wird über das Weltkriegsgeschehen nicht lediglich berichtet, vielmehr lässt sich unsere jüngere Vergangenheit eindrucksvoll nachvollziehen.
Ich wünsche dem Themenjahr "Zwischen Krieg und Frieden" mit seinen zahlreichen interessanten Veranstaltungen eine außerordentlich rege Beteiligung und hoffe, dass vor allem jüngere Menschen auf diese Weise einen besseren Zugang zu dieser Zeit gewinnen. Ich erwarte, dass das Themenjahr unser Verständnis und unsere Verantwortung für die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf unser Zusammenleben in Deutschland, aber auch mit unseren Nachbarn jenseits der Grenzen positiv beeinflusst.

 

Regierender Bürgermeister von Berlin

Klaus Wowereit
 
Obwohl das Ende des Zweiten Weltkrieges schon 60 Jahre zurück liegt, ist das Interesse an unserer jüngeren Geschichte ungebrochen groß. Das gilt besonders für Berlin, wo Museen, Gedenkstätten und viele Spuren im Alltag die jüngere deutsche Geschichte lebendig werden lassen. Darin liegt eine besondere Faszination Berlins - für die vielen Gäste ebenso wie für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.
Das Themenjahr "Zwischen Krieg und Frieden" lädt dazu ein, sich auf diese Spuren zu begeben. Viele Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen bieten eine gute Gelegenheit, sich aus unterschiedlichen Richtungen der jüngeren Geschichte zu nähern. Ein besonderer Tag ist der 10. Mai. Mit der Einweihung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas wird ein wichtiges Zeichen gesetzt: Gegen das Vergessen und für eine demokratische und tolerante Kultur.
Das Themenjahr dient nicht allein der historischen Rückschau. Es ist zugleich eine Chance, sich über unsere heutige Verantwortung für den Frieden, die Freiheit und die demokratischen Rechte zu verständigen. Das Themenjahr soll anstiften zu einer gelebten Kultur der Erinnerung und des demokratischen und toleranten Zusammenlebens in einem weltoffenen Berlin.
Ich wünsche den Veranstaltungen des Themenjahres guten Zuspruch.

 

Zwischen Krieg und Frieden

Mehr als jede andere Region standen Berlin und Potsdam nach dem Zweiten Weltkrieg im Blickpunkt der deutschen Geschichte: In Berlin-Karlshorst wurde am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte unterzeichnet; in Potsdam verhandelten die Siegermächte im Sommer 1945 über die Zukunft Deutschlands; das Notaufnahmelager Marienfelde war bis zum Fall der Mauer 1989 für viele die erste Station nach ihrer Flucht von Ost nach West, und im Schloss Schönhausen gingen die "2+4-Gespräche", die zur Wiedervereinigung und schließlich zu einem stabilen Frieden in Mitteleuropa führten, in ihre entscheidende Phase.
Originale Dokumente, Kunstwerke und Berichte von Zeitzeugen geben im Berliner Themenjahr 2005 Einblick in die Folgen des Krieges, in politische Konflikte und in private Schicksale, oft unmittelbar an den Orten des Geschehens. Die Biografien von Opfern werden ebenso anschaulich gemacht wie Kindheiten in der Nachkriegszeit - Lebenswege, die uns bis in die Gegenwart hinein prägen. Viele der Menschen, die Verfolgung, Krieg, Flucht und Vertreibung überlebten, haben bis heute geschwiegen. "Zwischen Krieg und Frieden" bietet sechzig Jahre nach dem Kriegsende eine der immer seltener werdenden Gelegenheiten, mit denjenigen in den Dialog zu treten, die noch aus eigener Erfahrung berichten können.

 

1945: Die 60 Jahre danach

Nach dem Krieg und vor dem Frieden; furchtbare Siege und gewaltsamer Zusammenbruch; Ende und Neuanfang; Befreiung und Besatzung; Kalter Krieg und friedliche Revolution - schon diese Auswahl der Titel und Themen aus dem umfangreichen Programm zeigt, wie weit die Veranstaltungen zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa den Bogen spannen. Über dreihundert Museen, Gedenkstätten, Institutionen aus Kultur und Wissenschaft, Landesvertretungen und Botschaften richten in einer Vielzahl von Ausstellungen, Filmreihen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Diskussionsrunden ihren je eigenen Blick auf den Schwebezustand "Zwischen Krieg und Frieden" in den Jahrzehnten nach 1945, auf die Konflikte, die durch den Zweiten Weltkrieg verursacht wurden und ihren Auswirkungen bis in unsere Gegenwart.

 

Erinnern für die Zukunft

Mit einem Handschlag symbolisierten sowjetische und amerikanische Soldaten auf der zerstörten Elbbrücke von Torgau schon im April 1945 den gemeinsamen Sieg über das nationalsozialistische Deutschland, mit Handschlägen besiegelten Politiker aus Ost und West die Vereinbarungen und Allianzen, die in der Folge geschmiedet wurden - solche, die den kalten Krieg heraufbeschworen ebenso wie jene, die schließlich dazu beitrugen, ihn zu überwinden und so den Weg zu einem friedvollen Europa öffneten. Im Spannungsfeld zwischen politischen Verträgen und Vereinbarungen und den individuellen Lebenswegen einzelner Menschen lässt "Zwischen Krieg und Frieden" Erinnerungen und Zeitgeschichte in authentischer Weise lebendig werden, leistet so einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit der jüngsten Geschichte und gibt den Generationen von heute zahlreiche Impulse, aus der Vergangenheit Lehren für die Zukunft zu ziehen.
 


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