Bernhard Heisig, Der Kriegsfreiwillige, 1982/84/86, Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm. Sammlung Hartwig und Maria-Theresia Piepenbrock, Berlin. Fotonachweis: Archiv: Bernhard Heisig - Galerie Brusberg Berlin. © VG Bild-Kunst, Bonn 2005



 

Bernhard Heisig - Die Wut der Bilder

Persönlichkeit und Werk von Bernhard Heisig standen im Zentrum des seit 1990 andauernden Bilderstreites um die Bewertung der Kunst in der DDR, der Anfang 1998 in der Debatte um die Ausstattung des Reichstages mit Kunstwerken gipfelte. Einem ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS und 'Funktionär eines verbrecherischen Regimes' wollte man keinen Platz einräumen im Parlament des vereinten Deutschland.
 
Eine Ausstellung des Museumspädagogischen Dienstes Berlin und der Neuen Nationalgalerie.

Die noch in den 90 Jahren populären Ressentiments gegenüber 'Staatskünstlern' verdeckten den Blick auf ein Werk, das bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus in der DDR gebrochen hat durch Bilder des Zweifels und der Verzweiflung über die physischen und mentalen Zerstörungen, die der Krieg in Deutschland hinterlassen hat. Deshalb ist diese Ausstellung ein zentraler Beitrag zum Themenjahr "Krieg und Frieden", das von der Bundesregierung und dem Senat von Berlin anlässlich des 60. Jahrestages der Kapitulation mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen ausgerichtet wird.

Heisig hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er Täter und Opfer der Zeitläufe war. Seine künstlerische Leistung liegt in der steten künstlerischen Auseinandersetzung mit einer Biografie, die aus Krieg und Diktatur in eine weitere Diktatur und den Kalten Krieg überging. Die Ausstellung und der sie begleitende Katalog sollen Auskunft über Werk und Leben Bernhard Heisigs geben, angefangen mit der Frage, wie der 1943 Achtzehnjährige zur Waffen-SS kam und wie er sich sein Leben lang mit den Traumata des Krieges auseinandergesetzt hat, bis zu den Konflikten um den "verordneten Antifaschismus", mit dem sich die SED-Diktatur zu legitimieren suchte. Seine Gemälde zum Weihnachtstraum des unbelehrbaren Soldaten, zu Christus, der als Soldat den Gehorsam verweigert, zeigen die Möglichkeiten individueller Wandlung.

Die Ausstellung zeigt mit 60 Gemälden und 62 grafischen Arbeiten die wichtigsten Werkzyklen: Es sind die Porträts und Schauplätze aus der eigenen Erfahrungswelt, die ihn bis heute beschäftigen. In immer wieder neuen Kombinationen und Varianten treten in seinen Gemälden im Grunde nur drei Protagonisten auf, um die sich das Karussell der Figuren, Requisiten und Landschaften dreht: die Gestalt des unbelehrbaren Soldaten, die in einigen Fällen Porträtähnlichkeit mit dem Maler annimmt, die Mutter und der Sohn. Wichtigster Schauplatz seiner Bilder ist seine Heimatstadt Breslau, in der er bis zum 6. Mai 1945 als Verteidiger der "Festung Breslau" ausharren musste. In seinen Atelierbildern zeigt sich der Maler als Schöpfer und Erdulder inmitten seiner ihn bedrängenden Erinnerungsbilder.


Bernhard Heisig - Die Wut der Bilder
22.10.2005-29.01.2006
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchner Straße 7
10963 Berlin
Tel. 030.254 86-0

Weiterführende Links
MD Berlin
Website der Ausstellung
Martin-Gropius-Bau




Museumspädagogischer Dienst Berlin,
Klosterstrasse 68, 10179 Berlin, info@kulturprojekte-berlin.de
MD-Infoline: 030-90 26 99 444
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